Höchststrafe für einen Golfer

Wer an einem Montag nach Dresden fährt, muss damit rechnen, schief angeguckt zu werden. Doch beim Auswärtsspiel der Berlin-Brandenburgischen Lufthansa-Turnierserie ging es nicht um eine unerwünschte politische, sondern um golferische Bewegung. Zur Begrüßung der Turnierteilnehmer am Vorabend zeigte sich Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilpert darüber so erfreut, dass er die 50 Teilnehmer persönlich begrüßte, um ihnen die Vorzüge seiner Heimatstadt zu schildern: "Seit 2006 sind wir schuldenfrei, und zwei große Kultur-Bauvorhaben liegen sowohl im Kosten-, als auch im Zeitplan." Da konnte man als Berliner schon neidisch werden. Auch angesichts des gastgebenden Golfclubs Elbflorenz, der gerade zu Recht in die Liga der 35 "Leading Golfcourses in Germany" aufgenommen wurde, wie der Präsident des Deutschen Golfverbandes, Claus Kobold, über seinen Heimatclub stolz verkündete. Die topgepflegte Anlage bei Possendorf bietet zahlreiche Wasserhindernisse mit zartrosa Seerosen, samtiggrüne Fairways und durch die hügelige Lage jede Menge Schwierigkeiten, was die Begeisterung über den Platz nicht schmälerte.

"Wenn wir alle so gut Golf spielen würden, wie wir es uns wünschen, wäre Golf doch gar nicht so interessant", tröstete Alfred Hagn, aus Bayern nach Sachsen eingewanderter Geschäftsführer des Clubs beim Grillbuffet nach der Runde. Zu den Berliner Siegern des Turniers gehörten Agnieszka Stuck vom Golfclub Gross Kienitz und Karsten Nitsche aus Blankenburg.

Nur der Veranstalter selbst kam erst gar nicht zum Spielen: Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber war am Tag zuvor mit dem Golfcart so rasant über den Platz gefahren, dass seine neben ihm sitzende Frau bei einer abrupten Wende in hohem Bogen aus dem Cart flog ­­— und unsanft auf dem Rücken landete. Zum Glück war nichts gebrochen, aber vom Golfspiel wollte sie erst einmal nichts mehr wissen. Der reumütige Unfallverursacher musste auf das von ihm organisierte Turnier verzichten und sie nach Hause fahren — Höchststrafe! Die Golfer wussten nicht Recht, wer ihnen mehr leid tun sollte.


Autor: Petra Götze

Quelle: Berliner Morgenpost vom 20.06.2016

Link: http://www.morgenpost.de/berlin/leute/article207703963/Hoechststrafe-fuer-einen-Golfer.html